St. Eustachius
Evangelische Kirche, Atzendorf
Ob von Magdeburg, Egeln oder Staßfurt kommend, sofort fällt sie ins Auge: die Atzendorfer Kirche im Salzlandkreis. In der Mitte des Dorfes gelegen, überragt sie dieses weit und ist dadurch auch ein markanter Punkt in der Bördelandschaft.
Erbaut wurde sie 1887 bis 1889 an Stelle einer zu diesem Zweck gänzlich abgebrochenen Vorgängerkirche aus dem 14. Jahrhundert, die auf Grund ihres baulichen Zustandes und unzureichender Größe den Bedürfnissen der Gemeinde nicht mehr genügte.
Nach den Vorgaben des sogenannten „Eisenacher Regulativs“ wurde die neue Kirche im gotischen Stil errichtet. Die Pläne dafür entwarf der Berliner Architekt F. Adler, der später auch die Wittenberger Schlosskirche projektierte.
Der von ihm für Atzendorf entworfener Kirchenbau, der aus Muschelkalkquadern errichtet wurde und ehemals gänzlich mit Schiefer gedeckt gewesen ist, wirkt durch seine Größe und durch seine geschlossene Architektur.
Der 53 m hohe Turm ist mit Hauptportal, einer großen gegliederten Fensterfront, der Turmuhr und der offenen Glockenstube, die von einem achteckigen Turmhelm mit Kugel und schmiedeeisernem Kreuz bekrönt wird, der am reichsten gestalteter Gebäudeteil.
Durch seine Stützpfeiler und Verjüngung nach oben hin wird seine Höhe optisch noch gesteigert.
Betritt man durch die große gewölbte Turmhalle das Kirchenschiff, so erstaunt die Höhe und Weite des dreischiffigen Kirchenraumes, dessen gemauerte Gewölbe auf acht Säulen aus rotem Backstein ruhen.
Blickfang des Raumes sind die drei Apsisfenster die die biblischen Berichte der Geburt, der Kreuzigung und der Auferstehung Jesu darstellen.
Im Stil mittelalterlicher Glasmalerei gefertigt, sind sie detailreich und farbintensiv ausgeführt.
In kunsthandwerklicher Bleiverglasung sind auch die zehn weiteren Fenster des Kirchenschiffes hergestellt, wobei deren Rosetten besonders reich ornamentiert sind.
Die Innenausmalung der Kirche ist noch in ihrer Originalfassung vorhanden und wurde 2014/ 2015 restauriert. Nur wenige Stücke der Innenausstattung entstammen früheren Jahrhunderten.
So das Maßwerk eines gotischen Fensters, das in der Sakristei eingesetzt wurde, der Taufstein, dessen Cuppa der Renaissance entstammt, ein barockes Kruzifix und ein ebensolches ehemaliges Altargemälde, das die Kreuzabnahme Jesu darstellt.
Eine handwerklich schöne Arbeit ist die Kanzel aus Sandstein, während der Altar aus weißem Marmor gefertigt wurde, womit allerdings der Einklang, den Taufstein, Altar und Kanzel bilden, etwas gestört wird.
Blickt man vom Altarraum gen Westen, so schließt hier der Raum mit einer Orgelempore ab, die auf fünf in Mauerwerk ausgeführten Spitzbögen ruht und eine zweimanualige Rühlmannorgel trägt.
Zum Kirchenschiff hin wurden in den sechziger Jahren die Bögen mit einer Antikverglasung versehen, die unter der Empore einen geschlossenen Raum schaffen, wo in den Wintermonaten Gottesdienste gehalten werden.
In seiner Ausstattung ist er ganz der Neugotik der Kirche angepasst und fügt sich somit harmonisch in den Gesamtraum ein, der 1985 mit der Anschaffung eines hundert Jahre alten 32 flammigen Kronleuchters, zu dessen Kauf die Mittel damals nicht mehr ausreichten, vervollkommnet wurde.
2024 wurde ein zweiter Kronleuchter aufgehängt.
Ein schönes Detail an der Südseite des Kirchenschiffs ist der Vorbau mit dem Seitenportal, das eine Sandsteinleibung rahmt, in deren Bogenfeld der Ruf des Propheten Jeremia (22,29) eingemeißelt ist: „O Land, Land, Land, höre des Herren Wort“.
Dazu ruft vom Turm das vervollständigte Geläut von drei Glocken, deren größte 2.624 kg wiegt.
Obwohl die Kirche noch relativ jung ist, so ist sie doch ein bördetypischer Bau, denn sie spiegelt den Reichtum der Gegend wider, zu dem diese im 19. Jahrhundert durch den großflächigen Zuckerrübenanbau gelangte.
Geblieben ist der „neuen“ Kirche ihr alter Name: St. Eustachius. Dieser, ein römischer Offizier, wurde um seines Glaubens willen unter Kaiser Hadrian hingerichtet. Zur militärischen Vergangenheit ihres Schutzpatrons passt es, dass der bedeutendste Atzendorfer Pfarrer, der Chronist Samuel Bendedikt Carsted zuvor Feldprediger bei Friedrich II. war.
Herausgeber: Kirchengemeinde St. Eustachius, Atzendorf 05/ 2026
Text: Pf. i. R. Macha, H. Rulf, M. Zok
Fotos: M. Zok

